Monats-Archive: Februar 2012

Das Eigenleben der Orte im Totenkult

Orte sind nicht einfach da. Dass Atmosphären, gestalterische Raffinessen und die Menschen in ihnen sie hervorbringen, gehört zum Alltagwissen.
(C) Aeternitas e.V.
Die Befindlichkeiten des Alltags im harmonischen Beieinander aufzuheben, lehren uns Lifestyle-Angebote. Dies gilt auch für die symbolische Gemeinschaft mit den Toten. Sterben und Tod werden in der ästhetischen Erfahrung bedeutsam. Selbst im Traueralltag wird das Schulen ästhetischer Empfindungen zum Muss. „Dabei war das Zusammenspiel verschiedenster Trauer- und Erinnerungsmedien zur keiner Zeit so intensiv wie heute“, bemerkt die Kulturwissenschaftlerin Dr. Traute Helmers. Totengedenken werde, obwohl für das Fortbestehen von Gesellschaften unverzichtbar, als Liebesdienst statt als Arbeit wahrgenommen.
Die Kurzstudie der Autorin ist der jüngste Beitrag der von der Verbraucherinitiative Aeternitas e.V. ins Leben gerufenen Initiative „Zukunft gestalten“. Aeternitas bringt Fachöffentlichkeiten aus Bestattungswesen, Kunst, Architektur, Religion und Wissenschaft ins Gespräch. Was erwarten und reflektieren die Menschen an Orten, an denen sie sich von Verstorbenen verabschieden oder sich der Toten erinnern wollen? Woran orientieren sie sich?
Traute Helmers sucht die für die Toten bereiteten „schönen Orte“ auf und diskutiert deren Fallstricke. Indem sie an die Geschichte von Krankenhaus, Kapelle und Friedhof anknüpft, stellt sie die Verhaltenszwänge von Orten und Arrangements zur Disposition. Die Feierlichkeit der offiziellen Trauerfeier verlagert sich verstärkt in die Aufbahrungssituation hinein. Individuell gebastelte Ausstattungen treten auf Augenhöhe mit gekonnten, gesellschaftlich erwünschten Arrangements. Eine gesellschaftliche Bottom-Up-Bewegung könnte den Friedhof zu einem „multikulturellen Gemeinschaftsgarten“ hin verändern. Und schließlich prognostiziert die Autorin einen Umschwung hin zur Erinnerungslust als Gegensatz zur Erinnerungslast.
Neben den oben genannten Personengruppen sind auch interessierte Andere herzlich eingeladen, das Bestattungswesen bzw. die Abschieds- und Erinnerungskultur mitzugestalten. Die Initiative „Zukunft gestalten“ ist unter dem Link: www.aeternitas.de/inhalt/zukunft_gestalten im Internet zu finden.
Quelle: Aeternitas e.V. – Verbraucherinitiative Bestattungskultur

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Nichts im Leben ist umsonst, nur der Tod…..

 
istockphoto / Ned White
… und der kostet das Leben,
- und eine Beerdigung
- und einen Beerdigungskaffee
- und eine Grabstätte
- und einen Grabstein
- etc. etc.
Bei einer Beerdigung kommen schnell Kosten von mehreren tausend Euro zusammen, wenn der Abschied vom lieben Verwandten im gebührenden Rahmen stattfinden soll. Bis 2004 gab es von den gesetzlichen Krankenkassen das sog. “Sterbegeld”. Seit 2005 müssen die Angehörigen alleine für diese Kosten aufkommen.
Das gilt übrigens auch für Kinder, die den Kontakt zu den Eltern schon lange abgebrochen haben!
Obwohl natürlich jeder weiß, dass es irgendwann einmal soweit ist, werden trotzdem die Gedanken an den eigenen Tod gerne hinausgeschoben. Klar: Das ist kein schönes Thema und die Idee von der eigenen Beerdigung stimmt einen auch nicht wirklich fröhlich.
Was für ein Klotz den Angehörigen damit ans Bein gebunden wird, darüber wird noch weniger nachgedacht.
Als Lösung für solche Fälle gibt es selbstverständlich auch eine Möglichkeit zur Vorsorge. Die nennt sich “Sterbegeldversicherung” oder neudeutsch “Bestattungsvorsorge-Versicherung”. Damit vermeidet man vel Stress und Ärger, wenn es dann letzendlich soweit ist.
Solche Versicherungen können sowohl selbst, als auch von den Angehörigen abgeschlossen werden und sind vom Prinzip her Risiko-Lebensversicherungen mit niedrigen Summen. Typisch sind Summen zwischen 3000,- bis 10000,- Euro – eben soviel, wie man ungefähr für die Bestattung und das Grab zur Verfügung haben möchte.
Es gibt einige Versicherer am Markt, die sich auf genau dieses Thema spezialisiert haben, so dass im Extremfall auch Kinder für ihre Eltern einen Antrag ausfüllen können – ohne Gesundheitsfragen und ohne Unterschrift der versicherten Person. Allerdings gibt es dann eine Wartefrist von zwei Jahren, bis das vereinbarte Sterbegeld in voller Höhe ausbezahlt wird.
In den meisten anderen Fällen besteht dagegen sofortiger Versicherungsschutz.
Die Beiträge sind auch relativ günstig (< 20,- Euro pro Monat), hängen aber logischerweise vom Eintrittsalter der versicherten Person ab. Am besten lassen Sie sich einmal vom Versicherungsfachmann Ihres Vertrauens beraten. (… und wenn Sie schon dabei sind, fragen Sie auch einmal nach Pflegekostenvorsorge!)
Sie können natürlich auch alleine im Internet vergleichen, wobei diese Vergleiche nie die individuelle Beratung ersetzen. Aber Sie haben dann zumindest schon einmal eine Idee, was es so alles gibt und in welchen preislichen Regionen sich solch eine Versicherung bewegt.
Ich bedanke mich sehr herzlich bei Jürgen Schnitzler für den informativen Beitrag.

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Messie – wenn die Seele streikt

Gerümpel und Entrümpeln scheinen ein Dauerthema in unserer Gesellschaft zu sein.
Wikipedia / Grap
Fast jeden Tag strahlen zahlreiche Fernsehsender Sendungen und Reportagen über zugemüllte Wohnungen und die Versuche, das Leben der Bewohner wieder in Ordnung zu bringen. Zugegeben, ich schaue mir die eine und andere Sendung an, weil mir auch in der täglichen Arbeit als Coach für Mensch und Raum ab und zu ein Haufen Zeug, der irrtümlicherweise für eine Wohnung gehalten wird, begegnet. Solange der Grund dafür klar ist und die Menschen auch bereit sind selbst anzupacken und das Überflüssige zu entsorgen, ist es kein Problem. Wenn aber das Loslassen nicht mehr möglich ist und die Brisanz der eigenen Situation nicht erkannt wird, dann ist es kein einfaches Problem mehr, sondern ein krankhafter, sogar lebensbedrohlicher Zustand, der umgangssprachlich als Messie-Syndrom bezeichnet wird.
In Wirklichkeit verbirgt sich dahinter eine komplexe Persönlichkeitsstörung, die sich symptomatisch durch Müllchaos manifestiert. Deshalb gehört die Behandlung dieser krankhaften Störung in die Hände erfahrener Psychologen und nicht einer Entrümpeln-Truppe, wie das im Fernsehen zu sehen ist. Solche Vorgehensweise grenzt meines Erachtens an Körperverletzung.
Die Gründe für Messie-Syndrom sind vielfältig und lassen sich nicht verallgemeinern. In den Sendungen, die ich gesehen habe, ist mir aber aufgefallen, dass in vielen Fällen ein Zusammenhang mit dem Tod einer geliebten Person besteht. Gerade gestern ging es um zwei Brüder, die nach dem Tod der Eltern zu Messies wurden. Sie haben die Trauer um die Eltern nie wirklich zugelassen und verarbeitet. Das Haften an den alten Möbeln und anderen Gegenständen, die den Eltern gehörten, sollte die entstandene Gefühlsleere ausfüllen. Das ist aber nicht geschehen und so wuchsen die Berge an Müll und Unrat und vergruben die Seelen der jungen Männer unter sich.  Das Beispiel macht deutlich, wie wichtig es ist, in aller Ruhe Abschied zu nehmen, um den Verstorbenen zu trauern und die Trauer auch zu verarbeiten. Nur so kann es gelingen zum Leben zurückzukehren und mit neuer Kraft den Alltag zu meistern.
Die Wandlung des Lebens zuzulassen, und solange das nicht passiert, ist ein Loslassen unmöglich. Wenn in solcher Situation eine Truppe starker Jungs anrückt und den Unrat entfernt, dann bleibt eine verletzte Seele zurück, die ganz schnell in ihr altes Muster zurück verfällt. Ohne professionelle Trauerbegleitung und psychologische Betreuung findet der Betroffene kaum den Weg zurück ins Leben.
 

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Lebenswandlung?

Lebenswandlung ist…
Was steckt in der Lebenswandlung drin?
…die Vergänglichkeit zu akzeptieren
…nie aufzugeben
…in allem eine Chance zu sehen
…den Tod als Teil des Lebens zu verstehen
…Tabu-Themen mutig anzugehen
…Selbstverantwortung zu übernehmen
…bewusst die Lebensfreude zu genießen
…loslassen zu können
…über Veränderungen vorwärts zu gehen
…sich zu entwickeln
…Angst in Respekt umzuwandeln
…mit dem Leben vorbehaltlos zufrieden zu sein.
 
Und was bedeutet Lebenswandlung für Sie?

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Das Recht zu trauern

Über das Phänomen „sozial nicht anerkannte Trauer“, wie Fachleute es nennen, wird in Deutschland kaum gesprochen.
(C) Aeternitas e.V.
Dabei werden viele Betroffene nach einem Todesfall aufgrund geltender Normen und Vorstellungen mit ihrer vermeintlich unberechtigten Trauer allein gelassen. Doch nicht nur das Umfeld spricht ihnen das Recht zu trauern ab. Ihre Situation kann dazu führen, dass sie sich selbst ihre Trauer nicht zugestehen. Solche Menschen laufen Gefahr, in eine schwierige Form der Trauer zu geraten, die therapeutische Hilfe notwendig macht.
Aus einer Vielzahl von Gründen kann Trauer im Widerspruch zu gängigen Konventionen stehen. Oft ist das Umfeld der Meinung, die betreffende Person habe keinen Grund zu trauern oder der Verlust sei nicht schwerwiegend. Diese Situation tritt zum Beispiel ein, wenn ein ehemaliger Ehepartner verstirbt, der in einer neuen Beziehung lebt. Weil Bindungen immer seltener ein Leben lang halten und die so genannte „Patchworkfamilie“ zur Normalität wird, steigt die Zahl dieser Fälle an. Das Umfeld reagiert mitunter verständnislos, ja sogar mit Ablehnung, wenn jemand dann dennoch „zu sehr“ trauert. Das Gleiche kann für heimliche Beziehungen, Beziehungen ohne Trauschein oder Todesfälle am Arbeitsplatz gelten. Ebenso schwer tut sich das Umfeld häufig bei vermeintlich nicht angebrachter Trauer um sehr alte Menschen, Komapatienten oder Totgeburten. Auch Hinterbliebenen nach einem Suizid wird mitunter Mitgefühl und Unterstützung verwehrt. Oft nicht anerkannt wird die Trauer um Haustiere.
Aeternitas empfiehlt Betroffenen, sich vom Umfeld nicht verunsichern zu lassen. „Helfen können zum Beispiel eigene, persönliche Trauerrituale und der Zusammenschluss mit anderen Betroffenen“, rät die Diplompsychologin Hildegard Willmann. Aber auch die Öffentlichkeit müsse für das Phänomen sozial nicht anerkannter Trauer sensibilisiert werden, damit Betroffenen mehr Verständnis und Mitgefühl entgegengebracht werden könne. Willmann hat für das von Aeternitas geförderte Trauerportal www.gute-trauer.de Vortragsfolien und Texte zum Thema „Sozial nicht anerkannte Trauer“ erstellt, die den Besuchern dort kostenlos zur Verfügung stehen. Im Portal finden Internetnutzer darüber hinaus umfassende Informationen zum Thema Trauer und Anlaufstellen für Hilfesuchende.
Quelle: Pressemitteilung Aeternitas e.V.

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Botschaft aus dem Jenseits

Stellen Sie sich vor, jemand aus Ihrem Familien- oder Freundeskreis verstirbt. Plötzlich flattert in Ihre Mailbox eine Nachricht vom Facebook. Sie folgen dem Link und lesen eine Botschaft vom Verstorbenen, die erst nach seinem Tod erschienen ist. Quatsch? Humbuk? Nein, es ist Realität. Mithilfe der neuen Facebook-App „If I die“ (Wenn ich sterbe) können Nachrichten zur Lebzeiten verfasst werden, die erst nach dem Tod der Person online gestellt werden.

Es funktioniert ganz einfach: nachdem Sie die App geladen haben, verfassen Sie eine Videobotschaft, Bild- oder Textnachrichten. Danach müssen sie drei Personen festlegen, die Ihren Tod, wenn es soweit ist, bestätigen werden. Erst wenn diese Personen am Tag X Ihr Ableben bestätigt haben, wird die verfasste Botschaft frei geschaltet und auf Ihrer Pinnwand erscheinen.
Sicher merkt Facebook von sich aus nicht, wann Sie verstorben sind. Deshalb sollte es sich bei den drei Personen um Menschen aus ihrem nächsten Umfeld handeln, damit sie die Aktion auslösen können. Außerdem sollten Sie den Personen wirklich vertrauen. Theoretisch könnten sich die drei einen Spaß machen und Ihren Tod bestätigen, obwohl sie noch kerngesund durchs Leben hüpfen. Das würden Sie aber ohnehin sofort merken und die Jenseitsbotschaft wieder entfernen.
So gesehen birgt diese Anwendung kaum Gefahren einer Fehlinformation.
Ob man sie braucht und auch gut findet, dass dürfte wie immer nur äußerst individuell beurteilt werden.
Für mich selbst ist die App ein eindeutiges Zeichen dafür , dass sich Sterben und Tod fest im virtuellen Jenseits etabliert haben.

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