Bruno Vinschen ist Herausgeber des Informationsportals adeo-online. Das Portal beschäftigt sich mit Fragen aus der Bestattungsbranche und allen sonstigen Fragen rund um Sterben, Leben und Tod. Ich hatte mit Herrn Vinschen über sein Projekt gesprochen:
Herr Vinschen, adeo-online ist ein Informationsportal über Leben, Sterben und Tod, das sich vor allem an die Bestatter richtet. Haben Sie selbst Erfahrung als Bestatter? Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Nein, ich bin kein Bestatter. Ich habe als Quereinsteiger Zugang zu der Branche und zu dem Thema bekommen. 1995 ist ein Bestattungsinstitut an uns als Werbeagentur herangetreten und wollte ein neues Logo. Zwei Jahre später war ich schon verantwortlich für die Herausgabe der Fachzeitschrift „VDT-Journal“ – der späteren „Eternity“. Von 2003 – 2008 war ich Herausgeber der Fachzeitschrift „Bestattung“ – ich kenne die Branche also sehr gut.
Meine Ideen ein Online-Portal über das Thema herauszubringen wurde von keinem Verband ernst genommen. „Der Bestatter sei zu konservativ und nicht interessiert an das world-wide-web“ – hieß es damals. Also habe ich adeo-online selbst umgesetzt und die Resonanz nach einem Jahr ist hervorragend.
Die Professionalität des Portals ist sofort erkennbar. Wie beurteilen Sie die Professionalität in der Darstellung der Bestatterbranche im Internet generell?
Die Branche ist im Wandel. Ende der 90er Jahre gab es entsetzliche Homepages. Es war damals ausreichend lediglich im Netz zu sein, weil man drin sein musste. Viele haben dennoch sogar darauf verzichtet. Heute gibt es kein Institut ohne eine eigene Homepage. Einige Bestatter haben die Zeichen der Zeit früh erkannt und haben richtig gute Seiten umgesetzt. Diese Entwicklung geht allgemein mit einem anderen Verständnis der eigenen Dienstleistung einher. Dennoch, es gibt noch viel zu viele schlechte Internetpräsenzen.
Ist die Zeit für „Tod und Sterben“ im Internet gekommen? Damit meine ich natürlich keine virtuelle Ballereien mancher Spielanbieter.
Das Internet gibt die Möglichkeit das Thema offen anzusprechen und es gibt ausreichend Menschen, die sich aus den verschiedensten Gründen mit der Thematik beschäftigen. Im Netz finde ich Antworten auf meine Fragen. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Thema über das Internet in die Gesellschaft getragen wird. Die Zahl der Homepages, die sich mit der Thematik beschäftigen sind rasant steigend.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass neue Leser für Beiträge rund um Sterben und Tod zu gewinnen, nicht einfach ist. Was meinen Sie, liegt es am allgemeinen Desinteresse oder vielleicht an einer gewissen Scheu sich zu outen, dass man gerne mehr und genauer darüber erfahren möchte?
Natürlich ist das Thema noch Tabu. Wir, die wir uns damit beschäftigen, dürfen nicht außer acht lassen, dass wir immer noch eine kleine Minderheit darstellen. Trotzdem wird die Zahl der Interessenten größer und zwar täglich. Zum einen kann ich mich anonym im Netz mit dem Thema beschäftigen und zum anderen, hat ein jeder von uns mit dem Tod zu tun. Wir sind nun mal alle sterblich. Messen, wie die „Leben und Tod“ in Bremen, mit 3.000 Besuchern sind ein gutes Beispiel für einen Wandel in unserer Zeit. Eine solche Messe mit diesen Besucherzahlen , wäre noch vor 6-7 Jahren undenkbar gewesen. Doch es braucht Geduld und Weitsichtigkeit, um das Thema Sterben und Tod wieder in unsere Gesellschaft zu integrieren.
Wie reagieren Menschen aus Ihrem persönlichen Umfeld, wenn sie erfahren mit welchem Thema Sie sich beruflich beschäftigen?
Zum einen hat sich mein Umfeld schon längst daran gewöhnt. Der Tod wird aufgrund meines Jobs sogar häufig thematisiert. Die neuen Kontakte stehen dem Thema erstaunlich offen und interessiert gegenüber – zumindest machen sie den Anschein. Letztendlich findet es fast jeder Interessant.
Hat die intensive Auseinandersetzung mit der Bestatterbranche Ihre persönliche Einstellung zum Sterben und Tod in irgendeiner Art beeinflusst?
Ich denke schon. Auf der einen Seite habe ich immer noch viele Fragen über das Dies- und Jenseits, auf die ich keine Antworten finde. Auf der anderen Seite habe ich rein technisch eine Vorstellung, wie eine Bestattung optimal aussehen kann. Dennoch weiß ich immer noch nicht, was ich mir für mich vorstelle. Letztendlich sind wir uns alle darüber bewusst, dass wir eines Tages sterben werden. Also ob sich jemand mit der Thematik beschäftigt, oder nicht – die meisten Menschen sind sich darüber klar bewusster leben zu wollen.
Danke für den Einblick in Ihre Privatsphäre. Kehren wir aber zu adeo-online zurück. Wie sehen Sie Ihr Portal in fünf Jahren? Welches Hauptziel streben Sie an?
Wer weiß schon was in fünf Jahren ist. So langfristige Pläne mache ich schon lange nicht mehr, da es eh immer anders kommt. Das erste Jahr adeo-online hat meine Erwartungen schon bei weitem übertroffen, so dass ich mich bereits nach 12 Monaten gezwungen sehe, die Seite auf die aktuellen Erfordernisse hin umzugestalten. Ziele aber habe ich: adeo-online soll das führende Portal zum Thema Leben, Sterben und Tod werden.
Herr Vinschen, ich danke Ihnen herzlich für die interessanten Antworten und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit adeo-online. Danke, dass Sie mein Gast sind.










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